Wiederstand: Der Kampf für 
Demokratie geht weiter

 AUNG SAN SUU KYI & 
ROHINGYA 

Um die komplexe politische Situation in Myanmar verständlicher zu machen, haben wir den Widerstand in fünf Bereiche gegliedert. Diese Kategorien dienen als Orientierung und sind nicht strikt voneinander getrennt. Ein Akteur kann mehreren Bereichen angehören oder unterschiedliche Rollen übernehmen.

Aung San Suu Kyi & Rohingya

Immer wieder werden wir gefragt, warum German Solidarity Myanmar (GSM) Aung San Suu Kyi unterstützt, obwohl sie international häufig für ihre Rolle während der Rohingya-Krise kritisiert wird. Diese Frage ist berechtigt und hat keine einfachen Antworten.

"Menschenrechte sind universell. Sie gelten für alle Menschen in Myanmar, ohne Ausnahme."

German Solidarity Myanmar - GSM 

Wir stehen auf der Seite der Menschenrechte

 

GSM steht auf der Seite der Menschenrechte, der Demokratie und der Gerechtigkeit. Wir verurteilen Menschenrechtsverletzungen unabhängig davon, wer sie begeht und gegen wen sie sich richten. Das gilt für die Verbrechen der Militärjunta ebenso wie für Verbrechen an den Rohingya und anderen ethnischen Gemeinschaften.

Hunderttausende Menschen wurden vertrieben, Zehntausende getötet oder verletzt, Familien auseinandergerissen und ganze Dörfer zerstört. Diese Verbrechen dürfen weder geleugnet noch relativiert werden. Sie müssen aufgearbeitet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Die Rolle von Aung San Suu Kyi

 

Aung San Suu Kyi ist eine der prägendsten Persönlichkeiten der modernen Geschichte Myanmars. Sie verbrachte viele Jahre ihres Lebens unter Hausarrest und wurde weltweit zu einem Symbol des gewaltfreien Kampfes für Demokratie. Millionen Menschen in Myanmar verbinden mit ihr die Hoffnung auf Freiheit, demokratische Mitbestimmung und ein Ende der Militärherrschaft.

Gleichzeitig bleibt ihre Haltung während der Rohingya-Krise Gegenstand berechtigter und notwendiger Kritik. Ihr Auftritt vor dem Internationalen Gerichtshof im Jahr 2019 enttäuschte viele Menschen weltweit, auch zahlreiche Unterstützer*innen der Demokratiebewegung. Ihre Entscheidung, den Staat Myanmar gegen den Vorwurf des Völkermords zu verteidigen, steht im Widerspruch zu den universellen Menschenrechten, für die sie sich zuvor einsetzte und dafür international bewundert wurde.

 

Warum sie für viele Menschen in Myanmar weiterhin Hoffnung verkörpert

 

Wer Myanmar verstehen möchte, muss auch die Perspektive der Menschen im Land verstehen. Für viele Menschen ist Aung San Suu Kyi bis heute weit mehr als eine Politikerin. Sie steht symbolisch für den jahrzehntelangen Kampf gegen die Militärdiktatur. Viele Familien erlebten gemeinsam mit ihr Unterdrückung, Gefängnis, Gewalt und Hoffnung.

Seit dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 befindet sie sich erneut in Haft. Sie wurde in politischen Prozessen zu jahrzehntelangen Gefängnisstrafen verurteilt. Bis heute gibt es keinen unabhängigen Zugang zu ihr und kaum verlässliche Informationen über ihren Gesundheitszustand. Millionen Menschen in Myanmar sorgen sich um ihr Schicksal. Ihre emotionale und historische Bedeutung lässt sich nicht ausblenden, wenn man die Demokratiebewegung verstehen möchte.



 

Die Verantwortung des Militärs

 

Das Militär verbreitete Jahrzehnte hinweg gezielt nationalistische und rassistische Narrativen. Über Generationen wurden Vorurteile gegenüber den Rohingya und anderen Minderheiten verstärkt. Dies geschah durch staatliche Propaganda, diskriminierende Gesetze und kontrollierte Medien. Diese jahrzehntelange Indoktrination prägt das gesellschaftliche Klima nachhaltig.

Das Vorgehen des Militärs erklärt Vorurteile und Fehlwahrnehmungen, entschuldigt sie aber nicht. Gerade deshalb sind Aufklärung, Dialog und die Anerkennung der Rechte aller Bevölkerungsgruppen zentrale Voraussetzungen für ein zukünftiges demokratisches Myanmar.

 

Die Unterdrückung der ethnischen Gruppen

 

Seit dem Militärputsch von 1962 sind zahlreiche ethnische Gemeinschaften von Vertreibung, Luftangriffen, Folter, Zwangsarbeit, Landraub und systematischer Diskriminierung betroffen. Karen, Kachin, Chin, Karenni, Mon, Shan, Rakhine und viele weitere Bevölkerungsgruppen litten über Jahrzehnte unter der Gewalt des Militärs. 

Die Rohingya sind Teil dieser Geschichte und zugleich in vielerlei Hinsicht besonders betroffen. Solidarität mit den Rohingya bedeutet deshalb nicht, das Leid anderer Gemeinschaften zu übergehen. Ebenso wenig darf das Leid anderer ethnischer Gruppen dazu dienen, die Verbrechen an den Rohingya zu relativieren.

 

Unsere Haltung

 

GSM unterstützt die Menschen in Myanmar, die sich für Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und einen föderalen, inklusiven Staat einsetzen. Wir stehen an der Seite aller Menschen, die unter Unterdrückung, Krieg, Vertreibung und Diskriminierung leiden, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Religion oder politischen Überzeugung.

Wir sind überzeugt, dass ein friedliches und demokratisches Myanmar nur entstehen kann, wenn die Rechte aller Bevölkerungsgruppen anerkannt werden, vergangenes Unrecht aufgearbeitet wird und Verantwortung übernommen wird. Gerechtigkeit ist nicht teilbar, sondern sie gilt für die Rohingya ebenso wie für alle anderen Menschen in Myanmar.

 

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