JUNTA 

VERTREIBUNG

Um die komplexe Rolle der Junta in Myanmar verständlicher zu machen, haben wir sie in fünf Bereiche gegliedert. Diese Kategorien dienen als Orientierung und sind nicht strikt voneinander getrennt. Die einzelnen Bereiche überschneiden sich und zeigen unterschiedliche Aspekte der Geschichte, Struktur und Herrschaft des Militärs sowie deren Auswirkungen auf die Bevölkerung. 

VERTREIBUNG

Aktuelle Zahlen (Stand 2026)

 

Schätzungen darüber, wie viele Menschen Myanmar seit dem Putsch 2021 verlassen haben, hängen stark davon ab, welche Art von Migrant*innen eingerechnet werden. Unterschieden wird zwischen:

  • Flüchtlingen/Asylsuchenden (UNHCR-Mandat), 
  • Arbeitsmigrant*innen mit legalem Status,
  • und irregulären/undokumentierten Migrant*innen (oft die größte, aber am schlechtesten erfasste Gruppe) und langjährigen Diaspora-Gemeinschaften, die teils schon vor 2021 ausgewandert sind. 

Binnenvertriebene (IDPs):

Schätzungen zufolge wurden seit dem Putsch rund 3,6 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben. Die Zahl könnte 2027 auf etwa vier Millionen steigen.

Mehrfachkrisen:

Vertreibung wird längst nicht mehr nur durch Kampfhandlungen verursacht. Auch ein schweres Erdbeben und schwere Monsunüberschwemmungen vertrieben Familien aus ihren Häusern. Menschen flohen in überfüllte und unsichere Unterkünfte mit begrenztem Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung.

Eine „fast unsichtbare“ Krise

Die internationale Vernachlässigung dieser Krise ist besonders besorgniserregend. Gwyn Lewis, die kommissarische Resident- und humanitäre Koordinatorin der UN in Myanmar, brachte es gegenüber UN News auf den Punkt: Die weltweite Aufmerksamkeit habe sich anderen Krisen zugewandt, obwohl sich die Lage in Myanmar weiter verschlechtere. Die Betroffenen im Land hätten das Gefühl, vergessen worden zu sein.

Diese Aufmerksamkeitslücke hat konkrete Folgen für die Finanzierung humanitärer Hilfe: 2025 stellten Geberländer nur etwa ein Viertel der im humanitären Plan veranschlagten Mittel bereit. Millionen Menschen blieben dadurch ohne Hilfe. Humanitäre Partnerorganisationen können deshalb 2026 nur noch 4,9 Millionen der bedürftigsten Menschen erreichen. 2025 hatten sie noch 6,7 Millionen als Ziel gesetzt.

Die Rakhine-Dimension und die Rohingya

Ein struktureller, historisch gewachsener Teil der Vertreibung betrifft den Bundesstaat Rakhine. Hier überlagert sich der Konflikt zwischen der myanmarischen Armee und der Arakan Army mit der seit Jahrzehnten andauernden Verfolgung der Rohingya. Nach UN-Angaben leben rund 153.000 Menschen in Lagern für Binnenvertriebene in den Townships Kyaukpyu, Kyauktaw, Myebon, Pauktaw und Sittwe. Die meisten von ihnen leben dort seit einem interkommunalen Konflikt von 2012. Weitere 82.000 Menschen wurden durch die Kämpfe zwischen der Arakan-Armee und dem myanmarischen Militär vertrieben.

Parallel dazu bleibt die grenzüberschreitende Rohingya-Krise ungelöst: Hunderttausende geflüchtete Rohingya leben weiterhin in Lagern in Cox's Bazar und auf der Insel Bhasan Char in Bangladesch. Eine sichere und freiwillige Rückkehr nach Myanmar ist nicht absehbar.

Regionale Fluchtbewegungen

 

Neben der Binnenvertreibung fliehen Menschen aus Myanmar auch über die Landesgrenzen, vor allem nach:

Thailand: Entlang der langen gemeinsamen Grenze bestehen seit Jahrzehnten Lager für Geflüchtete aus den ethnischen Grenzregionen. Diese wurden verstärkt durch neue Fluchtbewegungen seit 2021. Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und anderen Organisationen gehen von ca. 4 Millionen Burmes*innen in Thailand aus. Die tatsächliche Anzahl liegt wahrscheinlich deutlich höher,

Bangladesch: Dabei handelt es sich vor allem um Rohingya-Flüchtlinge in Cox's Bazar und Bhasan Char,

Indien und Malaysia: Dabei handelt es sich um kleinere, aber wachsende Gruppen, oft in prekären rechtlichen Situationen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus,

weitere Länder in Südost- und Ostasien: In fast allen Ländern Asiens haben sich mittlerweile größere myanmarische Gemeinschaften gebildet. 

Weltweite Migration

Wer eine Möglichkeit findet oder es sich leisten kann, migriert nach Europa, Skandinavien, in die USA, Kanada oder Australien. Die Zahl der Menschen aus Myanmar ist dort geringer als in den meisten asiatischen Ländern. Die staatliche Unterstützung ist dafür besser, zumindest bei legalen Aufenthaltstiteln.

Arbeitsmöglichkeiten finden Menschen aus Myanmar auch im Nahen Osten, beispielsweise in den VAE und Katar.

Warum die Krise so hartnäckig ist

Mehrere Faktoren verstärken sich in der Krise gegenseitig:

1. Fragmentierter Konflikt: Kämpfe zwischen der Junta und zahlreichen bewaffneten Gruppen finden gleichzeitig in vielen Landesteilen statt. Das erschwert koordinierte humanitäre Hilfe massiv.

2. Naturkatastrophen als Krisenverstärker: Das schwere Erdbeben von 2025 traf eine Bevölkerung, die durch den langjährigen Konflikt bereits geschwächt war. Wiederkehrende Monsunüberschwemmungen verschärfen die Lage zusätzlich. Vertreibung durch Naturkatastrophen und durch Gewalt überlagern sich dadurch zunehmend.

3. Zugangsbeschränkungen: Die Junta beschränkt humanitären Zugang zu vielen Konfliktgebieten, was die Versorgung von Vertriebenen erheblich erschwert.

4. Wirtschaftlicher Kollaps: Die ökonomische Talfahrt seit 2021 zerstörte traditionelle Lebensgrundlagen. Ein Symptom dafür ist der drastische Anstieg des Opiumanbaus, den die UN als Zehnjahreshoch einstuften. Er zeigt, wie sehr Konflikte und wirtschaftlicher Kollaps Menschen in informelle und illegale Ökonomien treiben.

5. Chronische Unterfinanzierung: Da internationale Aufmerksamkeit und Spendenbereitschaft nachlassen, sinkt die Fähigkeit von Hilfsorganisationen, die wachsende Zahl an Vertriebenen zu versorgen. Es entsteht ein Teufelskreis aus Vernachlässigung und wachsendem Bedarf.

FAZIT 

In Myanmar verdichten sich politische Gewalt, bewaffneter Konflikt, Naturkatastrophen und wirtschaftlicher Verfall zu einer Vertreibungskrise. Trotz ihres Ausmaßes wird sie international kaum wahrgenommen. Mit einer erwarteten Zahl von vier Millionen Binnenvertriebenen im Jahr 2026, einem stark unterfinanzierten Hilfsplan und einer ungelösten Rohingya-Frage bleibt Myanmar eine gravierende, aber stark vernachlässigte humanitäre Krise. 

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